[Kunst] Kreative Wertschätzung

12.11.09 | Kategorie: music | 3 Kommentare
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Langsam werden meine Blogeintrage ganz schön philosophisch. Ich hoffe das legt sich bald.
Doch als ich heute 4 Stunden beim Zahnarzt war begegnete mir obiges Zitat auf meinem zTouch.
Und darüber wollte ich nun ein paar Worte verlieren.

Ehrfurcht vor dem Künstler

Oft unterhält man sich als Kreativling mit Bekannten und Freunden über “kreatives arbeiten”. Da gibt es oft solche Diskussionen um

Woher kriegst du eigentlich deine Inspiration?
Ich selbst könnte nie so arbeiten!
Das ist viel zu abstrakt.

So oder so ähnlich gehen diese Diskussionen immer. Ich merke immer beziehungsweise oft, dass es scheinbar eine mords Ehrfurcht für “Kunst” gibt.
Wie gesagt ich mag den Begriff nicht, denn ich mache nur Musik. Die Leute die meine Musik hören machen Kunst daraus.
Warum ist das überhaupt so? Warum gerade bei Musik und bildender Kunst? Tatsächlich muss ich ehrlich gestehen habe ich gar nicht so die rechte Lust darauf mich so anhimmeln zu lassen.

Der Kunst auf der Spur

Warum es so anbetungswürdig ist kreativ etwas umsetzen zu können liegt vermutlich daran, dass es mit einem sehr grossen Umstand verbunden ist überhaupt mal ein Kunstwerk fertig zu bekommen. Ein Musikstück macht man nicht einfach mal so. Genauso wie ich “nicht einfach so” ein Bild male.
Es braucht meist viele Jahre des Trainings bis man mal ein ordentliches Ergebnis fertig bekommt, welches man seinen Freunden überhaupt zeigen kann/möchte. (Heutige Tools möchten zwar immer den Anschein erheben, dass dem nicht so ist, aber dem ist nicht nicht so.)

Ausserdem scheinen viele auch die Umsetzungsphase selbst mal probiert zu haben. Heisst also “Ich mach jetzt mal ein Lied”. Normalerweise sind das solche Projekte die man dann ewig lange vor sich her schiebt bis man mal etwas fertig bekommt, geschweige denn überhaupt etwas fertig bekommt. Dementsprechend wird die Leistung ein Lied fertig zu bekommen (und das öfter als 2-3mal im Jahr) enorm hoch eingeschätzt.

Kunst ist Arbeit

Fakt jedoch ist, dass Kunst zu machen ein Job ist wie jeder andere. Es gibt nichts ehrfürchtiges, kein Wundermittel, keine Geheimnisse – einfach nur Arbeit.
Sagen wir unser Arbeitstag beginn früh um 10 und dauert bis Abends 19 Uhr. Von Beginn bis Ende sitzt man dann eben im Studio und macht Musik. Musik, Musik, Musik. Die ganze Zeit. Am Ende des Tages kommt meistens etwas heraus – nämlich ein Lied.
Dieses Lied ist meistens schon soweit fortgeschritten, dass man es anderen zeigen kann.

Wie stellt sich denn ein normaler Mensch denn den Arbeitstag eines “Künstlers” (wie gesagt man ist erst einer, wenn das andere sagen) vor?

So bis 15 Uhr nachmittags bin ich herumgesessen und habe dem Gras beim wachsen zugesehen eh mir die Inspiration kam.

Dieses mystische “Muse küssen” geht mir persönlich so dermassen auf den Sack! (Entschuldigt die saloppe Schreibe)
Muse ist ein Kunstwort. Ich weiss nicht wer’s erfunden hat. Wenn ich ihn oder sie jedoch treffe werde ich sie oder ihn eigenhändig erschlagen!
Denn dieses “Ich bin nicht inspiriert genug” beschert uns dann im Alltag diese Möchtegern Musiker die auch mal mitspielen wollen. Sie dürfen dann mitspielen, stehen im Studio und sollen singen.

Sing mal jetzt dein Lied! Und los! Aufnahme läuft!
Ich kann nicht bin nicht in der richtigen Stimmung!

Alter Schwede!

Es ist eines Künstlers höchstes und einzige Gut, in einer Situation in der gearbeitet werden soll sein Werkzeug auszupacken und genau das zu tun was er kann – arbeiten! Man nennt das auch Professionalität, ein nicht-professioneller Künstler kann es sich leisten, auch mal die Diva raushängen zu lassen und nicht “kreativ genug” zu sein. Alle anderen, deren Leben davon abhängt mit Kunst ihren Lebensunterhalt zu verdienen können das nicht. (Randbemerkung: Es gibt auch einen Verdienstlevel ab dem man es sich wieder leisten darf eine Diva zu sein.)

Ein besonders schönes Zitat noch zu diesem Thema. Wiedermal ist die Quelle nicht mehr bekannt:

Inspiration = Hard Work + Focus

Und das kann ich so stehen lassen. An kreativer Arbeit ist nichts mystisch oder anbetungswürdig.
Es ist nur eine Arbeit! Arbeit bei der man mal seine 7 Buchstaben zusammen sammeln muss und konzentriert zu Papier bringt. Umso konzentrierter desto besser.

Vielleicht kommt die mystifizierte Ansicht auch daher, dass die Kunst die man selbst herstellt das Produkt der eigenen Fantasie, limitiert durch die angewandte Technik, ist.
Ein Geistesprodukt ist natürlich schon eine Leistung, ich gebe es zu. Aber ich werte diese geistige Schöpfung nicht höher als die eines Mathematikers, einer Chemikerin oder irgendwelcher Ingeneure. Die verrichtete Arbeit halte ich in diesen Berufsgruppen nicht für unkreativer oder unkunstvoller. Wir alle haben uns irgendwann ein Spielzeug ausgesucht mit dem wir spielen möchten um damit Geld zu verdienen. Manche spielen eben gerne mit Zahlen, anderen gerne mit Formeln. Musiker spielen eben gerne mit ihren Instrumente. Und dennoch arbeiten sie alle kreativ. Kreativ innerhalb ihres eigenen Univsersums dessen Grenzen sie versuchen Tag für Tag ein Stückchen weiter zu bewegen. (Letzter Satz klingt auf englisch besser)

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