Am Wochenende hatten wir ein paar interessante Diskussionen um Technologie und wie sie denn die Musik oder allgemein die Kunst beeinflussen. (Ganz abgesehen davon, was denn Kunst überhaupt sei. Aber das ist ein anderes Thema.)
Geräte wie etwa der iPod touch beeinflussen die Kunst — keine Frage.
Naja…lest mehr weiter unten.
Technology Meets Music
Im letzten Jahrhundert fing die Technologie an in die Musik Einzug zu nehmen.
Angefangen hat es in der ernsten Musik in der Komponisten Technologie, also Klangwände und später Synthesizer, dazu benutzten ihren Musiken mehr Klänge einzuverleiben.
Dies hatte mit den Grund, warum die Musiker damaliger Zeit die althergebrachte Notenkunde für Humbug erklärten und anfingen eigene Wege zu gehen. Die Notenschrift sei nicht ausreichend genug alle Schallereignisse richtig darzustellen. (Der Futurismus brachte die sogenannte Geräuschmusik hervor. Topfschlagen in D-Dur? Unmöglich!)
Technologie hat seitdem die Musik massgeblich beeinflusst. In den 80ern gab es dann Aufbruchstimmung in der elektronischen Musik.
Ab damit in die Popmusik! Denen zeigen wir, dass elektronische Musik auch was ist.
Was dann begann ist hinreichend bekannt. Techno war gebohren und entwickelte sich seit Mitte der 80er bis circa Ende der 90er zu einer der populärsten Musiken. Die Feste erinnerten an damalige “Happenings” von Hippies, bei denen mindestens soviele Drogen konsumiert wurden. (Was man Techno auch noch lange vorhielt.)
Diese Musik kann man nicht hören, wenn man nicht nen Trip schmeisst!
Natürlich Käse aus heutiger Sicht, damals aber irgendwie Fakt. Und ich gebe zu, hätte es die Drogen nicht gegeben, glaube ich kaum, dass sich Techno so schnell entwickeln hätte können wie es sich entwickelt hat. Drogen waren meiner Meinung nach (und das ist sicherlich nicht die allgemeingültigste!) der Katalysator, welcher die Verbreitung beschleunigt hat.
Technology Meets Creativity
Darum soll es ja eigentlich in diesem Eintrag gehen.
Seitdem es Techno gibt ist spätestens klar, dass Technologie dazu verwendeten werden kann Kreativität Ausdruck zu verleihen. Was dabei entsteht ist Kunst. (Kunst ist so ein schreckliches Wort BTW)
Was mir bei der Arbeit am WALK Soundtrack aufgefallen ist, wie sehr ich von der Technologie abhängig bin.
Obwohl sich “When in Doubt, Call It Walk” anhört, als wäre es direkt auf einem C64 oder Gameboy geschrieben worden muss ich gestehen, dass viele der von mir verwendeten Stilmittel damals unmöglich gewesen wären.
So spiele ich beispielsweise sehr ausgiebig mit der Release Zeit des Rauschens, welcher als Clap oder Snare erkennbar ist. Das erzeugt einen gewissen interessanten Aspekt. Hinhörer würde man sagen.
Hätte ich “When in Doubt, Call It Walk” auf einem C64 schreiben müssen, wäre ein anderes Lied dabei herausgekommen.
Man hätte immer noch eindeutig hören können, dass es von mir ist, da ich Technologie auf eine ganz bestimmte Weise einsetze. Der Einsatz ist wahrscheinlich einzigartig, genauso einzigartig wie jeder Mensch andere Fähigkeiten und Denkweisen hat. Jemandens Arbeitsgeschwindigkeit ist beispielsweise ganz entscheidend dafür wie Technologie musikalisch eingesetzt wird.
Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich als Jugendlicher viele Dinge musikalisch einfach nicht gemacht habe, da sie mir technisch zu kompliziert erschienen. Heutzutage ist das meiste eigentlich ein Witz.
Bisher war ich immer der Meinung, dass Technologie die eigene Kreativität limitiere.
Kreativität ergibt sich meist daraus, dass man sich gewissen Grenzen aussetzt und versucht innerhalb dieser kreativ zu arbeiten.
Beispiele:
- Ein Lied machen, dass nur aus Schlagzeug besteht.
- Ein Lied machen, dass 3/4 statt 4/4 misst. (Klingt banal, aber für einen Musiker der knapp 20 Jahre nur 4/4 gemacht hat, definitiv ein Problem an dem man sich durchbeissen muss.)
- Schwarz/Weiss fotografieren statt in Farbe.
- Und so weiter.
Die Grenzen die man sich selbst setzt limitieren die eigenen Möglichkeiten. Somit kann man nur “soweit” arbeiten, wie es die Technik eben vorgibt. Kann ein C64 beispielsweise keine Release-Automation-aufs-Rauschen muss man sich halt eine andere Möglichkeit suchen dies umzusetzen, bleiben lassen oder etwas anderes versuchen.
Ich tendiere oft dazu eine andere Lösung zu suchen. Inzwischen mische ich oft MIDI- und Audio-Spuren. Die MIDI-Spuren beinhalten die eigentliche Musik in Notenform. Wenn ich einen gewissen Effekt erzielen möchte der eben nicht mehr möglich ist durch die Limitierung von MIDI rechne ich dieses gewisse Stück in Audioform heraus und setze an diese Stelle.
Ein Automation schaltet die MIDI-Spur an der Stelle stumm oder leitet über oder irgendwas und mit der Sampleform derselben MIDI-Spur lassen sich nun eben andere Effekte umsetzen.
Ich möchte hier nicht diskutieren warum ich nicht gleich auf Audio-Ebene alleine arbeite. Ich kann aber soviel sagen, dass es mir wahrscheinlich zu unflexibel wäre, da MIDI wiederum einen ganz eigenen Charme für mich hat.
Um nun zum Schluss zu kommen. Technologie limitiert jetzt also nicht nur die Kreativität sondern treibt sie auch gleichzeitig an.
Der Mensch fühlt sich “eingesperrt” von der Technik und arbeitet dagegen an. Also beflügelt Technologie in gleicher Weise die Kreativität wie sie sie auch einschränkt. Der Aussage:
Technology limits creativity.
Muss erweitert werden um die Aussage:
Technology drives creativity.
Ich würde bevorzugen in Zukunft folgendes von mir zu geben, wenn mich jemand auf dieses Thema anspricht:
Technology not only limits but also drives creativity.
Schönen guten Tag,
Zettt
Nachtrag
Fast hätte ichs vergessen. Der Begriff Techno kommt übrigens genau von dem Begriff Technologie.
Allerdings hatte man mit dem Begriff Techno nicht nur die Technologie im Auge. Also sprich die Tatsache, dass Technik zum Musik machen benutzt wird.
Technologie bedeutet nämlich auch “Fortschritt”. Letztendlich wollte man auch darauf abzielen. Techno sei die Technologie in der Musik – die Weiterentwicklung, der nächste logische Schritt sozusagen.
Und da fällt mir mal wieder der alte Sven Väth ein:
Der Kampf ist vorbei, wir haben gewonnen!
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zu Väth fällt mir eigentlich nur ein daß die Drogen da wohl eher gewonnen haben oder ? :)
Das auch. ;)