
Heutzutage muss man eine MySpace Seite haben!
oder…
Künstler ohne MySpace Seite nehmen wir gar nicht mehr ins Repertoir auf!
Viele Musiker haben schon diesen Spruch in der einen oder anderen Form gehört. Nachdem ich gerade eh dabei bin alle alten Business Mythen nicht mehr zu glauben. Habe ich heute morgen meine MySpace Seite geleert.
Der Grund und meine, vielleicht bald auch eure, Überlegungen folgen im Hauptteil des Artikels.
Der Businessmythos
Viele von uns wurden mit den oben genannten Phrasen aufgezogen. Irgendwann einmal hat ein weiser Business Guru gemeint er wüsste genau wovon er spricht – seitdem plappert das jeder nach.
Oder, mal ganz ehrlich wie weit hat euch euer mühevoll erstelltes MySpace Profil schon gebracht?
Der Verlinkungsmythos
Auf MySpace sind alle Künstler miteinander vernetzt. Wir kennen das. Vor allem Männer fröhnen ihren Jäger und Sammlerinstrinkten. Je mehr Leute man “gefriendet” (was für ein Unwort) hat desto besser. So meint man zumindest. Also sitzt der lernwillige, businessbewusste Gitarrist brav vor diesem Portal und tut das was man ihn beigebracht hat – Leute anklicken!
Doch wer hat eigentlich den grössten Nutzen von dieser Verlinkungsgeschichte?
Natürlich wird irgendwann ein nicht zu vernachlässigender Teil von Usern auf mein Profil aufmerksam. Den grössten Nutzen dürften aber die Labels haben. Zwei Künstler vom selben Label angeklickt und vielleicht noch irgendwas gekauft. Das Label verdient also gleich doppelt und der Artist verschwendet seine Zeit mit rumklicken.
Wo ist da der Fehler?
Viele dürften bereits wissen, dass man nur teilweise dem folgen darf was andere tun. Um erfolgreich zu sein, muss man besonders sein. Nicht komplett anders – nur so ein bisschen. Die Zeit ist also besser investiert indem man diese Portale anders nutzt als der Rest das tut. Rumfrienden ist da der falsche Weg.
Warum ist es so schwierig für Bands überhaupt berühmt zu werden durch MySpace?
Doch genau aus dem Grund! Stupides abkupfern was alle anderen eh schon machen.
Aus Marketing technischen Gründen nicht undumm. Denn es gibt ja zwei Möglichkeiten herauszustechen.
Entweder man macht etwas besonderes. Das hat aber den Nachteil, dass man sich anstrengen muss um etwas besonderes zu machen. Oder man beschickt einen bereits vorhandenen Werbekanal mit soviel Werbung, dass man über das Grundrauschen aller anderen Mitbewerber heraussticht. Vorteil: Das ist total einfach, vorausgesetzt man investiert genug Zeit und Mühe.
Und das ist dann auch der Grund warum es soviele nachmachen und dann nicht schaffen. So einfach ist “spammen” (Kundeninformation…) nämlich auch nicht. Und das ist doch genau warum soviele es “nicht schaffen”. Clueless würde man das auf Englisch wohl nennen. Einfach nur dermassen ordinärer, langweiliger Scheiss!
Löscht euer mein MySpace Profil!
Profilpflege
Das war also eine meiner Überlegungen. Aber deswegen gleich das Profil löschen? Ich gebe zu der Schritt scheint “radikal”, aber ich mag radikale Schritte.
Wahrscheinlich stammt, vermutlich aus derselben Rede desselben Menschen wie vorangegangener Mythos, noch ein zweiter Grundsatz.
Man muss sein Profil pflegen!
Das letzte mal war ich auf MySpace (Ja, natürlich auch gestern) das letzte mal irgendwann im Sommer letzten Jahres. Mir ist das Portal also ziemlich egal. “Frienden” geht mir so ziemlich…
Missachtung der Seite
Ich habe ausserdem keine Lust auf:
- Flash
- Bunt, blinkende Animationen
- Megadunkle, und damit natürlich extrem coole, Profilseiten irgendwelcher Gitarren Freds
- Spontan startende, viel zu laute, Musik
Aus diesen Gründen meide ich also MySpace so gut es eben geht. Da bin ich zu alt für so einen Kram!
Ich pflege also mein Profil nicht, weil mir die Seite einfach nicht zusagt. Also lieber gar kein Profil wie ein schlecht behütetes.
Kundenfreude
Aus den bunt, blinkenden Bildchen resultiert aber noch eine zweite Überlegung meinerseits. Den Einheitsbrei von MySpace mal angesehen, frage ich mich wirklich, ob ich für meine Kunden auf diese Weise werben möchte. Will ich mich allen ernstes meinen Kunden so präsentieren?
Nein, natürlich nicht.
Aufmerksamkeit
Und nicht zuletzt, darf man nicht vergessen, dass MySpace auch nur irgendeine Seite ist. Das ist eine Webseite! Eine von wievielen? Zig Millionen?
MySpace ist nicht der Nabel der Welt. MySpace ist nicht Gott und Herrscher über alles und jeden. MySpace ist nicht mein Freund. MySpace ist nur eine von vielen Portalen im Netz die um Aufmerksamkeit buhlen so wie jede andere Seite auch.
Mein Problem ist, dass ich euch keine Aufmerksamkeit geben möchte!
Wie macht man’s besser?
Zielgruppe
Das habe ich auch schonmal in einem Blogartikel besprochen. Die Zielgruppe der “populären” Musik ist leider auf einen Menschenkreis ausgerichtet, welche sehr wenig Geld verdient. Es geht für diese Menschen darum cool zu sein und das billigste vom billigsten zu bekommen. Jugendliche im Alter von 12-20 Jahren sagen wir mal. Wofür geben denn diese Menschen freiwillig Geld aus? Doch zu allerletzt für meine Musik oder gar einen Auftritt von mir. Es sei denn ich bin gerade der megaangesagte Futzi.
Man könnte also den Fokus seiner Zielgruppe ändern. Was hören Leute in meinem Alter? Was finden die Entertaining? Natürlich meine ich jetzt nicht, dass wir alle auf Ü-30 Parties spielen sollen. Aber denkt doch schonmal an die Menschen ab ca. 25 aufwärts.
Ich kann mich noch erinnern, damals als ich so in dem Alter war, fing ich an ein Bewusstsein dafür zu entwickeln wofür ich Geld ausgeben möchte und für was nicht. Wenn mal etwas teurer war, habe ich mir das bewusst trotzde gekauft, weil ich es einfach wollte. Man fängt an Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen. Man wird auch ein wenig gesetzter. Es sei denn auf Parties!
Wie kriege ich also nun den Mittzwanziger dazu meine Musik zu hören oder davon zu erfahren? Schwierig, aber ein bisschen Internet Recherche war noch nie verkehrt.
Eine verrückte Idee wäre es doch mal in einem Büro aufzukreuzen und dort zu spielen oder lecker Kuchen zu verteilen. ;)
Neue Wege
Wenn euer Ziel sein sollte, der coolste von allen zu sein. Der der bejubelt wird von allen anderen und deswegen noch cooler ist als es eh schon cool ist cool zu sein. Dann empfehle ich euch den Weg den ihr bisher eingeschlagen habt weiter zu gehen! Schaut nicht Links, schaut nicht rechts einfach weitergehen und Leute frienden.
Alle anderen sei hier mal eine Alternative ans Herz gelegt. Da draussen gibt es sehr viele Projekte die sich mit Kunst und Kultur beschäftigen.
- Eine Kirche sucht beispielsweise jemanden der für eine Installation die Musik komponiert.
- Verschiedenste Vereinigungen suchen immer mal wieder Leute die bereit sind interaktive Soundinstallationen zu machen. (Musik die etwa durch Bewegung, Licht oder sonstiges beeinflusst wird)
- Man kann sich mit anderen Künstlern zusammentun und versuchen gemeinsam etwas zu erreichen. (Das Geld muss wahrscheinlich geteilt werden, keine gute Möglichkeit für die meisten Deutschen)
- Computerspiele brauchen auch immer mal wieder Soundtracks, Sounds oder auch interaktive Soundgestaltung. Viel mehr noch als bei anderen Medien kann man sich hier sehr gut austoben, da viele Spiel meist in einer surrealen Umgebung spielen.
- Filme brauchen auch mal Ton. Sie geben’s zwar nicht besonders gerne zu, aber die Filmer suchen jemanden der ihnen Musik macht oder Töne generiert.
Ende
Der grosse Erfolg wird uns von der Industrie versprochen, wenn wir eine gut geführte, ständig aktuell gehaltene MySpace Seite pflegen. Das Erfolg jedoch nicht an eine MySpace Seite gekoppelt ist wird oft verschwiegen. Daher macht es Sinn sich darüber Gedanken zu machen inwiefern man den einen anderen Mythos glauben möchte.
Hat man sich dann irgendwann dafür entschieden komplett andere Wege zu gehen findet man bei Installationen, Film und Computerspielen eine gute Verdienstmöglichkeit die zudem auch noch einen grösseren kreativen Spielraum bietet.
Wer trotzdem Musik machen möchte, der soll Musik machen, aber bitte um der Musik willen und nicht wegen des schnöden Mammons wegen! Wieviele man von den Businessmythen letztendlich glaubt bleibt jedem selbst überlassen. Jedoch sollte man für sich selbst entscheiden ob sich Portale wie MySpace überhaupt lohnen.
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Hi Zettt,
ich war auch schon eine Ewigkeit nicht auf dieser Plattform und habe mich dann jetzt auch verabschiedet. Du triffst genau das mit dem Artikel, was ich gefühlt habe.
Danke ;-) Lilian