[Audiosoftware] Audacity 1.3.10 für Audio Pros

18.12.09 | Kategorie: news | 2 Kommentare
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Kaum zu glauben, dass auch ich mal ein Wort über den, verhassten, Audacity Audio Editor verlauten lasse.
“Verhasst”? Warum? Der ist doch voll gut!
Ja klar, wenn man “niedere” Ansprüche hat. Vielleicht wissen viele, dass es im Open Source Sektor nicht gerade viel Software gibt, die man im Alltag auch tatsächlich verwenden kann. Das meiste ist einfach zu “Open Source” da entwickelt man mal mit viel Freude am Anfang und dann kommen die Updates immer spärlicher und spärlicher. Irgendwann mal gar nicht mehr. Hat man dann irgendwelche Musik kreiert kann man seine Werke mal getrost in die Tonne treten.
Manche Projekte jedoch erreichen eine Menge an Mitentwicklern, dass das Projekt stetig weiterentwickelt wird. Für Audacity sah man schon fast das Projekt sterben..

In den letzten Wochen durfte ich mal einer Freundin über Skype Hilfe leisten. Sie entschied sich dafür Audacity zu verwenden.
Ich riet ihr davon ab…Bis ich den aktuellen Build sah. Hier hat sich echt was getan und aus dem vorher noch “eher nicht” zu empfehlenden Audio Editor hat sich langsam etwas gemausert, dass man doch “benutzen” kann.
Da muss ich zugeben, da sich hier einiges getan hat. Die Applikation ist immer noch extrem weit davon entfernt einem Profi Tool zu ähneln. Die eingebauten Effekte klingen…naja sagen wir mal, dass sie “klingen” OK? Sie haben sozusagen ihren eigenen Charme.
Indess haben aber die Editing Tools aufgeholt. Der Export in weitere Formate klappt wunderbar. Grund genug mal einen Blick aus der Tontechniker Sicht auf eine solche Anwendung zu geben und vielleicht den einen oder anderen Editing Tipp mit loszuwerden.

Audacity: Installation

Die Installation ist inzwischen relativ unkompliziert. Den aktuellen Build von der Sourceforge Seite herunterladen, entpacken und das .app starten.
Nach dem Start will man wahrscheinlich gleich das MP3 Plugin installieren. Dazu öffnet man inzwischen einfach nur die Preferences mittels ⌘, und wählt rechts Libraries, danach nur noch Download und Audacity händelt den Rest.
Das war in älteren Installation noch viel komplizierter. Danke hierfür.

Audacity: Preferences

Audacitys Preferences ermöglich die Einstellungen der verwendeten Devices. Die Playback Funktionen bei denen Pre- und Post-Roll konfiguriert werden kann, sowie die Editing-Previews.
Unter Recording können Einstellungen für die Aufnahme gemacht werden. Möchte man beispielsweise die anderen Tracks hören während man aufnimmt oder nicht. Audiobuffer und den sogenannten “Sound Activated Recording” Threshold. Letzteres ist eine nette Idee und aus den meisten Samplern schon bekannt.
Quality: Default Sample Rate und Default Bit Rate. Bit Rate steht standardmässig auf 32-bit float. Finde ich persönlich nicht so gut. Hätte 24 Bit vorgezogen. Darunter die Optionen für die Konvertierung eines Sampleformates in ein anderes. Hier hat man zwei Möglichkeiten. High-Quality Conversion und Real-Time Conversion. Warum man bei der Konvertierung nicht Dithern sollte ist mir ein Rätsel. Und wer nicht High-Quality benutzt gehört gehaut! Also bitte immer schön High-Quality Conversion machen.
Das Interface setzt Standardeinstellungen für die Meter Range. Super. Für Profis eine echt schöne Option. Hoffe das unbedarfte User hier nicht überfordert sind. Default View Mode für die Tracks. Standardeinstellung für die Wellenformdarstellung. Es gibt leider immer noch nicht die Möglichkeit generell eine Wellenform “rectified” darzustellen. Manche User haben das sehr gerne. (Radiofutzis) Update Display While Playing ist wahrscheinlich die Auto-Scroll Funktion. Es gibt ganz seltene Fälle in denen man den Auto-Scroll tatsächlich mal braucht. (Videoediting beispielsweise) Standardmässig also bitte aus.
Solo Button und Behaviors: Etwas unklar sind diese Funktionen. Ohne Manual jedenfalls. Daher dort mal suchen. Ausserdem finde ich die Optionen für den Solo Button “Standard und Simple” schlecht gewählt. Wie schwer ist es hier zu schreiben SIP (Solo in Place), Post (Fader) oder Pre (Fader)? Das würde zumindest den Profis mal ersparen hier gleich zum Handbuch greifen zu müssen.
Beim Import kann vor dem Editing eine Sicherheitskopie erstellt werden. Standardmässig aus. Finde ich für einen Zweispureditor eigentlich nicht mal so schlecht. Soll ein Multispuredit erfolgen würde ich die Option der Sicherheitskopie bevorzugen. Für den Export würde ich den “Custom Mix” bevorzugen. Was auch immer das bedeutet. Es hört sich aber nach “mehr Optionen” an. Den Metadata Editor lässt man sich natürlich anzeigen!
Unter Projects konfiguriert man wie soll mit externem Material umgegangen werden soll, wenn ein Projekt gespeichert wird und Auto Save.
Spectrograms sind die lustigen, bunten Bilderchen die man aktiviert, wenn Nicht-Audios ins Studio kommen und was zum glotzen haben wollen. Ich finde Hanning mit 256 als FFT Window als Standard gut.
Die Aktivierung beziehungsweise Deaktivierung von Plugins (AU, LADSPA, Nyquist, VAMP, VST) regelt man unter Effects. Man hat vielleicht schon herausgelesen, dass ich nicht gerade der klangliche Freund der Open Source Plugin Formate bin. Daher würde ich hier jetzt instinktiv LADSPA, Nyquist und VAMP ausschalten. Vermutlich arbeiten aber gerade diese Formate besser (bugfreier) mit Audacity als AU und VST.
Shortcuts lassen sich ebenfalls anpassen … und … Mouse. Wie soll sich das Programm verhalten mit verschiedenen Aktionen der Maus. (Warum nochmal sollte ich das einstellen wollen?)

Audacity: Recording

Nach Aktivierung des ersten Males “Record”, kann aufgezeichnet werden. Jeder neue Aufzeichnungsvorgang wird in einer neuen Spur aufgenommen.
Das Material wird als nicht beschädigt.
Ist für mich als Pro super, kann ich mir vorstellen aber für Heimanwender erstmal gewöhnungsbedürftig.

Beispiel:

  • Möchte man eine Schallplatte aufnehmen und lässt hier einfach nur durchlaufen hat man keine Probleme. Möchte man die Schallplatte jedoch in Etappen aufnehmen muss man hier bereits mit 2 oder mehr Spuren kämpfen.
  • Möchte man ein Video nachvertonen (Synchronsprechen) werden schnell sehr viele Schnitte nötigt. Standardmässig würde ich hier empfehlen zwei leere Tracks zu erstellen und dann immer wechselnd erst auf den einen und dann wenn man sich versprochen hat auf den anderen aufzunehmen. Die “überstehenden” Teile würde ich dann wegschneiden und die einzelnen Edits per kurzem Crossfade aneinander fügen.

Audacity: Editing

Das Editing ist leider nicht besonders komfortabel, aber funktionsfähig.
Die Tools sind gewöhnungsbedürftig. Auf einem Mac lässt sich mit ⌘1 bis ⌘3 der Zoom regeln. “Fit to Window” hingegen ist auf ⌘F gelegt. Hier wäre es doch besser gewesen, man hätte sich bei den Shortcuts auf eine “Linie” geeinigt. Das ist jedoch nur gewöhnungssache, bei Logic mag ich gar nicht anfangen, wie schlecht am Anfang die Shortcuts liegen.
Nach einer gewissen Eingewöhnung läuft das editieren ziemlich gut und auch einigermassen komfortabel.

Wellenformdarstellung

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Die Wellenformdarstellung lässt sich ändern auf:

  • Wellenform
  • Wellenform (dB)
  • Spektrum
  • Spektrum (logarithmisch)
  • Pitch

Sehr schöne Funktion, leider bietet Audacity derzeit noch kein Tool richtig sinnvoll mit dem Spektrum zu “schneiden” (wie es etwa Soundtrack Pro bietet).

Ausserdem lässt sich die Trackhöhe flexibel regeln. Eine Funktion die ich jedoch nicht verstehe. Die linke und rechte Seite lässt sich in der Höhe unterschiedlich einstellen. Wofür man das braucht weiss ich nicht.

Trackarten

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  • Audio Track: Für Audiomaterial
  • Label Track: Darauf lassen sich Marker kreieren und Sektionen Marker.
  • Time Track: Live-Timestretching, automatisierbar per Envelope Tool.

Vor allem der Time Track hat es mir angetan. Verblüffende Funktion in so einem Tool.
In den “grossen Sequenzern” ist seit einigen Jahren ein Trend hin zu Live-Timestretching zu verfolgen. Angefangen haben damit Ableton und Celemony. Es folgten danach Steinberg, Digidesign und zuletzt auch Apples Logic.
Klanglich fand ich die Ergebnisse akzeptabel.
Nicht ganz so intuitiv ist es die Punkte zu entfernen. Diese müssen bei aktiviertem Envelope Tool herausgezogen werden aus dem Time Track. Dabei sprang die Ansicht sehr “ungewöhnlich”. Kann aber auch an der geringen Fenstergrösse liegen.

Audacity: Generatoren

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Mit Tools möchte ich einige Funktionen vorstellen und nicht auf die einzelnen Bearbeitungswerkzeuge eingehen.
Im Menü findet sich unter “Generate” ein Fundus an Soundgeneratoren, welche man alle Tage mal braucht.
Es gibt Generatoren für Standardwellenformen um etwa Pegeltöne zu erzeugen. Desweiteren gibt es Tools wie Chirp (Pitchverlauf), DTMF Töne, Noise, Silence usw.
Interessant sind die untersten Funktionen Click Track ist denke ich klar — der erzeugt eben einen Click.
Pluck erzeugt einen Gitarren-ähnlichen Ton. Risset-Drum ist letztendlich ein Drum Synthesizer. Nicht besonders komfortabel zu bedienen. Wer jedoch eine Spur Ahnung von Schlagzeugsynthese, kann sich hier schon zurechtfinden.

Audacity: Effects

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Effektemässig unterstützt Audacity inzwischen AU und VST auf dem Mac und die Eingangs erwähnten Linux Plugins.
Desweiteren kommt Audacity noch mit einer Fülle von Effekten daher, die man beim destruktiven Editing besonders häufig benötigt.
Fade in/out, Reverse, Silence, Amplify, Normalize, Change Tempo, Speed und Pitch und noch einige mehr. Hier sind auch einige Spezielitäten zu finden. Auto Duck beispielsweise.

Audacity: Analyze

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Unter Analyze finden sich einige sehr interessante und, ich glaube, gute Analyse Tools.
So kann man dort beispielsweise das Spektrum plotten lassen. Von Hamming über Blackman und Gaussian ist hier alles vertreten.
Bei dem kostenpflichtigen Amadeus Pro, welches ich für gewöhnlich einsetze, gibt es hier eine kleine optische Stütze, welches im Oktavabstand immer eine neue Linie zeichnet. Seitdem ich so etwas habe, vermisse ich diese Funktion in jedem Analyzer wenn ich ihn öffne.
Spezialist hier ist der Beat Finder, welcher automatisch Marker erstellt wenn ein gewisser Threshold überschritten wurde.

Audacity: Fazit

Audacity hat sich in den letzten Versionen stark gebessert. War es anfangs noch ein recht klobig zu bedienendes Programm hat sich Audacity inzwischen zu einem relativ guten Tool gemausert, mit dem auch tatsächlich arbeiten kann, sobald man eine gewisse Einarbeitungsphase hinter sich gebracht hat. Die einzelnen Tools sind nicht “intuitiv” zu bedienen, jedoch ist das nunmal so bei vielen Open Source Tools.
Ich möchte nur an Ardour erinnern. In der Standardkonfiguration völlig unbrauchbar. Nach etwas tweaken der Shortcuts lässt sich damit aber ganz gut arbeiten. Dasselbe gilt für Audacity.

Leider kann ich Audacity nicht für den produktiven, professionellen Einsatz empfehlen. Wer von uns Studiobetreiber ist und dessen monatliches Einkommen von dem was er da produziert abhängt, sollte nicht auf ein Open Source Tool setzen. Dieses Gesetz kann immer noch nicht widerlegt werden. Schade. Ardour und Audacity sind aber auf einem guten Weg!

Für Heimanwender die kurz mal ihre Schallplatten digitalisieren, ihren Konzertmitschnitt konvertieren oder ein Hörbuch aus mehreren Dateien zusammenschneiden möchten, denen kann ich Audacity inzwischen getrost empfehlen. Die Installation ist enorm einfacher geworden. “Much more hassle-free”. War in meinem Test begeistert davon.

Audacity: Kommentare und Fragen

Oder “Fragen über Fragen” wie manch andere sagen würden. Der geneigte Linuxer wird natürlich sofort für sein Tool in die Presche springen und Audacity als das “ultra” Tool zur Audiobearbeitung bezeichnen.
Deswegen würde mich eure Meinung interessieren. Was benutzt ihr? Taugt Audacity oder benutzt ihr andere Software?

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