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Gerade habe ich auf zettt.com einen Artikel veröffentlicht wie man sich als Deutscher beschwert. Das ganze ist mit einem gewissen Zwinkern geschrieben, da ich jetzt als Einwanderer doch einige Dinge über unsere Kultur feststelle, die uns im Ausland eben so darstellen wie wir nunmal dargestellt werden.
Ein Ding, welches mich am meisten dabei stört ist unsere Deutsche Art sich zu beschweren. Das ist nicht einfach nur unglücklich gelaufen, wenn irgendwas nicht geht, das ist sofort Scheisse – aber so richtig Scheisse. Und dann fangen wir uns an zu beschweren. Grade im Web 2.0 ist das doch weit verbreitet. Deppenkommentare oder wie man das auch immer nennen möchte. Ich selbst habe/versuche mich davon gar nicht mehr berühren zu lassen, nachdem ich das Göbelsche Kredo.
Warum Boshaftigkeit unterstellen, wenn Unvermögen als Erklärung vollkommen ausreicht.
leicht angepasst habe.
Warum Boshaftigkeit unterstellen, wenn Deutsch sein vollkommen ausreicht.
Unsere Art uns zu beschweren geht mir mal so richtig auf den Zeiger. Deshalb dieser Blogeintrag. Ein Versuch die Welt schön zu machen.
Anleitung zum Beschweren – für Deutsche
Zunächst mal gibt es einige Dinge die wir falsch machen als Deutsche. Meist ist es, zumindest im Softwarebereich, so, dass man am anderen Ende jemand sitzen hat, der Englisch spricht. Englisch, das ist das was wir in der Schule hatten. Die meisten sind nicht besonders gut darin. Benutzen wahrscheinlich aus blanker Unwissenheit nur Wörter wie shit oder crap um irgendwas zu beschreiben, weil es die einzigen Worte sind die sie kennen – aus Funk- und Fernsehen.
Doch gehen wir dem ganzen doch mal nach. Shit kann man wörtlich übersetzen mit Scheisse. Die Englische Sprache ist ein wenig höflicher. Das heisst shit ist nicht gleich Scheisse, sondern eher Mega-Scheiss-Arsch-Kack-Dreck. Der Unterschied wird deutlich.
Nur so als Denkanstoss. Redet ihr wirklich so auf der Strasse oder in deutschsprachigen Emails? Nein? Warum dann wenn ihr Englisch schreibt? Was hat euch dieser Mensch am anderen Ende getan, dass er es wirklich verdient von euch so beschimpft zu werden?
Und selbst wenn ihr keine solchen Kraftausdrücke benutzt, haben wir doch meist eine Eigenheit an uns, bei der wir immer erstmal alles negative über eine Sache aufzählen eh wir mit dem positiven beginnen – falls wir denn überhaupt welche finden. Das heisst wir sehen es scheinbar als unsere Aufgabe erstmal den anderen gegenüber wirklich, wirklich erst einmal zusammen zu stauchen, eh wir damit beginnen können uns mit ihm auf gleicher Augenhöhe zu unterhalten. Doch soll ich euch was sagen? Nein, das haben wir nicht nötig.
Hier also meine magische Formel für Sei kein Arschloch, du Axt im Walde!
Sei kein Arschloch
Wir Deutschen könnten eine solche Mail, ich behalte dieses Beispiel jetzt, einiges vereinfachen, wenn wir einfach mal die Reihenfolge ändern würden. Dann hätten wir schonmal 80% alles Unhöflichkeiten beseitigt. Denn das so ist im Umgang mit anderen Personen. Da fallen wir auch nicht gleich mit der Tür ins Haus, sondern fragen erstmal.
Na, wie geht’s?
Ach, gut?
Das freut mich ja zu hören.
Jetzt mal angenommen wir nehmen nur unsere zwei Kern-Argumente der Email. Die negativen Argumente und die positiven. Warum nicht einfach versuchen die Reihenfolge einfach umzudrehen – erst positiv dann negativ.
Das funktioniert ziemlich gut. Hier eine kleine Schritt-für-Schritt Anleitung:
- Text selektieren. Dazu den Text Cursor direkt vor den Anfang der positiven Argumente stellen und ⇧ gedrückt halten.
- Text ausschneiden. Das geht am Mac mit ⌘C
- Text vor den negativen Argumenten wieder einfügen – welches man mit ⌘V macht.
War doch ganz einfach oder?
Pro Tip: Was macht man, wenn man an einer nichts gutes finden kann?
Lass dir gefälligst was einfallen!
Es kann nicht so schwer sein, sicherlich hast du dir irgendwas gekauft und musst dich jetzt beschweren. Das heisst aber im Umkehrschluss auch, dass du darüber nachgedacht hast dieses Produkt zu erwerben. Da muss doch was dabei sein. Ein simples
Wow, die Idee für so ein Produkt hat mich echt interessiert. Dann hab ich’s gekauft, aber jetzt macht’s mir irgendwie Probleme. Möchten sie mir bitte helfen?
Auf der anderen Seite sitzt ein Unbekannter, nicht der beste Kumpel. Nicht vergessen!
Grussformeln
Da der Englischunterricht bei einigen wohl doch schon etwas länger her ist. Hier noch mal kurz ein Überblick über die gebräuchlichsten Grussformeln im Englischen.
“Hi” benutzt man für Personen, die man schon kennt oder bei denen man das sagen darf. Bei Programmierern ist es so, dass die meist hunderte Supportemails bekommen. Also macht es eigentlich fast keinen Unterschied ob man Hi oder Dear nimmt, weil diese Jungs abgebrüht sind. Dennoch der Höflichkeit zuliebe würde ich die nächsten beiden vorschlagen. “Dear …” kann man benutzen, wenn man die andere Person bereits kennt, aber noch nicht auf den privaten Level von Hi gekommen ist. Meist kann man im Impressum einer Webseite den Namen des angeschriebenen nachschlagen. “To whom it may concern” hat man keine ob am anderen Männlein oder Weiblein sitzt und diese Mail liest – also an Unbekannt schreibt. Dann empfiehlt sich diese Grussformel.
Broken English is better sen no English
Selbst wenn ihr euch auch nur vage an euren Unterricht in der Schule erinnern könnt. So ist es doch immer noch besser schlechtes Englisch zu sprechen als gar kein Englisch. Die Person am anderen Ende wird euch dankbar sein dafür, dass ihr es wenigstens probiert.
Ein Unding sondergleichen ist eh das folgende. Seit ich mit Mac OS X Screencasts weit mehr Menschen als mit einem meiner anderen Blogs, häufen oder häuften sich auch die Kommentare von Deutschen. Und das ist der Hammer, aufpassen: Deutsche, die sich über Deutsche beschweren die Englisch sprechen. Nein, wie kann man auch. Das ist ja ein Unding. Meine ganz offene Meinung dazu. Ein Grossteil der Bevölkerung der ganzen Welt scheren sich nicht darum, ob ich akzentfreies Englisch spreche. Für viele ist offensichtlich, dass ich kein Native bin und für denjenigen, der eben so wie wir in der Schule nur ein paar Jahre Englisch hatte. Ist es enorm hilfreich selbst im schlechtesten Englisch etwas erklärt zu bekommen, als in einer Sprache die wie so eine Mischung aus allem klingt – mit einem Schuss Klingonisch.
Es scheinen viele zu vergessen, dass bei vielen Dinge die auf dieser Welt passieren, wir oder derjenige selbst nicht den Funken von irgendwas dazu beigetragen hat, dass dieses etwas existent gemacht wurde. Louis CK bei Conan O’Brian (Volles Video):
Did you take part in the miracle of human flight, you non contributing zero!
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Echt guter Artikel, man kann’s nicht besser machen! Hat mich immer wieder an die Mails erinnert die ich selber bekomme, aber vor allem weiß ich jetzt dass ich als Programmierer zurecht “Hi” verwenden darf ;-) Wenn du jetzt noch Tipps für Grußformeln (Greetings, Kind regards,…) geben könntest wäre das Hammer! Piets
Hi, wie geht’s? Toller Artikel, Zettt.
So weit die Floskeln und das Lob.
Jetzt aber…
Der Spannungsbogen bricht enorm ab. Ich hatte beim Erreichen der Sharing Icons das dringende Bedürfnis, noch mehr darüber zu lesen.
Hmm, eigentlich war das ja auch noch Lob…
Kind Regards, Martin
@Piets @admartinator: Jetzt bin ich doch leicht verwirrt. Wollt ihr wirklich ueber so etwas mehr lesen? Ich hoffe mir faellt was ein. Den eine einfache Fortsetzung ist wohl nicht so interessant zu lesen.
Schöner Artikel. Versuch es mir zu merken :-)
Ach ja, den Artikel hätte ich spontan “geflattr’d”
Hi Zettt, super Artikel, bin selbst oft in London und kann mich mit meinem “Schulenglisch” sehr gut verständigen, ich hoffe da kommt noch mehr!