Mal wieder war ich beim Sebbi stoebern. Das Thema lautete “Was MySpace mit Kindern anstellen kann”. Darin verlinkte Sebbi ein YouTube Video eines Kindes, dass nicht ganz so erbaut davon ist, als ihn sein Bruder versucht ein wenig ueber MySpace auszufragen.
Der Bruder stellt seine Fragen auch dahingehend, dass MySpace “nur” eine Internetseite sei und sich der kleinere Bruder da doch nicht so hinein steigern solle. Hier das Video:
Das erste Video hat mich neugierig gemacht. Weil ich mir bei weitem das Ausmass dieser Internetisierung vorstellen konnte und bin in den “Related Videos” auf das hier gestossen:
Schon krass, welche Auswirkungen eine solche Internetseite auf unsere kleinen Kinder haben kann.
Gleichzeitig frage ich mich…
Ist das Internet der Fernseher des 21. Jahrhunderts?
Seitdem ich damals einen Computer bekommen habe als Junge, habe ich viel Zeit mit dieser Kiste verbracht. Als Jugendlicher nutzte ich jedoch, ganz normal, den Fernseher als Input-Medium.
Unsere Eltern sind mit dem Medium Fernseher und Zeitung vertraut.
Vor ca. 4 Jahren habe ich mich dazu entschlossen, als ich zuhause auszog, dass ich keinen Fernseher mitnehmen moechte. Seither hat das Internet einen besonders hohen Stellenwert bei mir als Medium erreicht.
Es ist die Moeglichkeit mich schlicht zu “beschaeftigen”. Abends oder auch zwischendrin wenn ich nichts zu tun habe. Genau wie…ja genau wie einen Fernseher. Die Flimmerkiste laeuft bei den meisten Deutschen den ganzen Tag. Viele koennen sich ein Leben ohne gar nicht vorstellen. Er gehoert zum Standard eines jeden Wohnzimmers.
Und das obwohl, bekennendermassen, “nur Mist kommt”.
Aehnlich ist es derzeit mit dem Internet. Da kommt auch nur Mist. Beziehungsweise wir tun nur Mist.
Was kann man denn schoenes machen im Internet? Na rumklicken halt. Dann hat man den zum Freund und gibt hier seinen Kommentar ab, hier ist man angemeldet und dort schreibt man jemandem was.
Darauf laeuft es meistens hinaus – aufs schreiben. Die Kommunikation ist ganz wichtig und treibt dieses Medium voran. Und natuerlich das klicken! Das darf man nicht vergessen. Klick, klick, klick.
So sitzt man da vor diesem Rechner und wuehlt sich durch die Internetseiten (da erinnere ich mich an die liebe LCD-Sonne). Hier gibt es was schoenes und dort auch.
Schmackhaft aufbereitet wird das ganze dann von Google und man erhaelt sofort was man sucht.
Damals hatte ich meinen Fernseher abgeschaft wegen der Werbung.
Das hat das Internet inzwischen auch ueberwunden. AdSense wo man nur hinsieht. Aber das nur so am Rande.
Worauf will ich hinaus?
Ich sehe die Entwicklung kritisch!
Unsere Kinder wachsen mit dem Internet auf, so wie unsere Eltern mit der Zeitung und wir mit dem Fernseher.
Das Internet ist ein Medium! Medien haben Macht, da sie die Gedanken der Menschen steuern.
Wir muessen, denke ich, uns das immer vor Augen halten, wenn wir unseren Kindern einen Computer schenken.
Denn vorbei sind die Zeiten in denen wir Menschen uns jeden Tag beschaeftigen muessen woher wir unser Essen bekommen. Vorbei die Zeiten in denen man staendig nur arbeiten musste. Es kehrt Wohlstand ein, wir sitzen groesstenteils nur herum und brauchen Beschaeftigung. Klick!
Jobs & Gates haben da echt etwas losgetreten. Sie haben den ersten modernen interaktiven Fernseher erschaffen, der auf Klick reagiert und den ich mir so konfigurieren kann wie ich moechte. Es ist wie ein Wohnzimmer. Jedes Fenster sieht schick aus und der Monitor muss moeglichst gross sein, damit man ja nicht mehr in die Wirklichkeit blicken kann (die Realitaet hat ja eh eine schlechtere Aufloesung).
Der Computer ist nicht mehr das nuetzliche Wirtschaftsding mit dem man seine Hausarbeit aufsetzen kann und drucken kann. Es ist Musikplayer, Videogucker, Internetomat, Chat-mich-weg, Rechnungsschreib und Rumklickmaschine.
Die Milliardenbetraege auf den Konten genannter Herren bestaetigt das…
Natuerlich sind Medien trotzdem auch was Gutes. Denke ich an die ganzen hunderttausende von Buechern. Im Fernsehen laufen staendig Dokumentationen. Wissen soll generiert werden. Und doch wieder nur ueber ein Medium kommuniziert.
Also Weidmanns Heil und Augen auf beim Fernsehkauf.
No related posts.






In meinen Augen, einer deiner besten Beiträge bisher. Er greift ein Thema auf, über das ich mir (auch ein wenig Examensbedingt) schon viele Gedanken gemacht habe. Falls du Nils Postmans Buch “Das Verschwinden der Menschheit” kennst – das passt schon mal ansatzweise ganz gut zum Thema. Postman sieht beispielsweise das Problem bereits seit der ersten Morseübertragung, also seit man Informationen schnell verschicken kann. Seit dieser Entwicklung nahm die Kindheit laut Postman bereits ab, weil Menschen seit diesem Zeitpunkt mit Infos “zugeschüttet” wurden. Insbesondere seit der Erfindung des Fernsehens verschwand in Folge der Entwicklung die Kindheit mehr und mehr aus unserer Gesellschaft (wobei “Kindheit” eigentlich ja auch nur eine Erfindung der Gesellschaft ist), weil Kinder immer früher mit Themen der Erwachsenenwelt konfrontiert werden, wie Geldsorgen, Sex, Gewalt… Früher waren Bücher so geschrieben, dass man sie erst ab einem gewissen Bildungsgrad verstand. Für Kinder waren solche Informationen meist unzugänglich. Mit dem Internet ist aber die (bisher sowieso schlecht genutzte) Kontrollmöglichkeit darüber, was Kinder anschauen und insbesondere auch wie lange sie Zeit vor dem Fernseher verbringen verloren gegangen. Kinder surfen zumeist absolut außerhalb jeglicher erzieherischer Kontrolle wild im Internet. Über den Computer, bei Freunden, über das Handy… Und genau da liegt das Problem. Kinder brauchen Grenzen! Sie brauchen Freiheit um sich zu entfalten, aber auch klare Grenzen, um sich selbst einschätzen zu lernen und kennen zu lernen. Das Schlüsselwort in dieser ganzen Geschichte heißt: Medienkompetenz. Kinder werden heute oft vor dem Computer abgesetzt. Früher übernahm der Fernseher diese Rolle, heute ist es das Internet. Das Kind ist zunächst ruhig gestellt und beschäftigt (die Spätfolgen werden eben von vielen Eltern nicht erkannt). Es werden keine Inhalte und insbesondere auch keine Zeiten überwacht. Die Kinder treiben meist sehr viel weniger Sport, als das früher der Fall war. Sie sind unausgelastet, orientierungslos und sozial ungebildet. Ihnen wird nicht gezeigt, was man alles sinnvolles oder lustiges am Computer machen kann. Es gibt wunderbare Lernspiele für den Computer. Es ist soviel Wissen und Information im Internet verfügbar – wenn man weiß, wie man sich kritisch damit auseinandersetzt. Medienkompetenz – also das Wissen, wie ich die Medien benutze, aber auch wie ich die Inhalte der Medien nutze ist eine der Schlüsselkompetenzen der Zukunft, die es in Schule und im Elternhaus zu erlernen gilt. Bleibt das aus, ist ein Kind einfach überfordert von der Fülle an Informationen und verpasst dabei die elementaren Dinge wie Sozialkompetenz, Erfüllung des Bewegungsdrangs…. Ich denke, ich kann beispielsweise nur selbst etwas dagegen tun, indem ich meine Kinder später entsprechend auf eine neue Welt vorzubereiten versuche (mehr unbewusst, als bewusst) und insbesondere als (hoffentlich;-) ) zukünftiger Lehrer auch meinen Schülern lehre, wie man das Internet und den Computer gezielt nutzen kann. Genug geschrieben;-) Muss selbst auch noch einiges Lernen :drink:
Danke erstmal fuer das Lob. Ich habe schon ein wenig ueberlegt, ob ein solches Thema nicht zu provokant ist. Und fuer den fetten Kommentar noch viel mehr Danke. Da koennte man ja glatt ein eigenes Posting draus machen.
Haste aber Recht. Ich glaube Medienkompetenz trifft den Nagel auf den Kopf.
Toller Beitrag! Oft mach ich mir auch Gedanken, was ich eigentlich schon wieder die letzten paar Stunden im Internet gemacht habe. Meist kommt dann nichts wirklich Sinnvolles zum Vorschein. Wir leben eben schon in einer ziemlich verwöhnten Welt o_O
Gruß Redrunner
Danke
Du sagst es. Wir haben’s ja gar viel zu leicht. ;) Aber was soll’s da muessen wir halt jetzt durch — so gut es eben geht!